Referenzen und Kritiken

Süddeutsche Zeitung
Münchner Merkur
Kultur Splitter
Badener Zeitung
Kurier
Zagreb


Neben zahlreichen sehr erfolgreichen Vorstellungen in ganz Österreich wurde dieses Programm bisher in München, Bremen, Zagreb, Bratislava, Budapest, Bukarest, Lyon und Bordeaux gezeigt. Weitere Gastspiele sind in Planung.



Süddeutsche Zeitung

Fein gesponnene Lügen im Geschlechterkampf
Irene Colin und Klaus Haberl verleihen den Texten um 1900 eine gewisse Aktualität

Gspusi, Liebschaft und Affären – das österreichische Publikum hatte es oft nicht leicht mit seinem Dichter Arthur Schnitzler. Schließlich wollte man sich im Theater amüsieren und nicht die eigenen gesellschaftlichen Entgleisungen vorgeführt bekommen. Als literarisches Pendant zu Sigmund Freud legte Schnitzler in seinen literarischen Werken vor allem darauf Wert, die Triebhaftigkeit seiner Gestalten, die alle der Wiener Gesellschaft um 1900 entstammen, offen zu legen. Das Bürgertum reagierte schockiert, bezeichnete seine Texte und Bühnenstücke als "pornographisch". Skandale und Gerichtsurteile folgten oftmals seinen Aufführungen.

Turbulente Beziehungen:
In einer szenischen Lesung erwecken die beiden Schauspieler Irene Colin und Klaus Haberl die episodenhaften Einakter des österreichischen Dichters Arthur Schnitzler wieder zu neuem Leben. Begleitet von dem international renommierten Gitarristen Richard Graf, wählten sie für ihre Lesung Szenen des Dichters, die die turbulenten Beziehungen zwischen Frau und Mann zum Inhalt haben. Passagen aus dem "Reigen", der "Sylvesternacht" und dem "Fräulein Else" spiegeln Paarbeziehungen wider, die wie aus dem heutigen Leben gegriffen scheinen; fein gesponnene Lügen in zwischen- menschlichen Beziehungen, und Wege, sie zu umgehen. Wer kennt das nicht?

Irene Colin spricht die Monologe der Frauen mit dem wienerischen Charme der Jahrhundertwende, kombiniert mit dem Gestus der modernen Frau von heute. Die Frauen aus "Sylvesternacht" und "Halbzwei" könnte man gut und gerne ins 21. Jahrhundert integrieren. Die Art der Interpretation von Irene Colin macht bewusst, dass sich das weibliche Wesen an sich in hundert Jahren nicht dramatisch verändert hat, umso mehr jedoch die gesellschaftliche Situation der Frau. Die Verbindung von Ehe und Liebe war um 1900 eine Ausnahme, der Ausbruch aus einer unglücklichen Beziehung kam einer gesellschaftlichen Katastrophe gleich. Die Liebschaften und Affären zwischen Frauen und Männern auch noch auf die Bühne zu stellen, quer durch alle sozialen Schichten, war somit ein Affront gegen die bürgerliche Institution Ehe. Eine Reaktion, die von Schnitzler durchaus gewollt war.

Leichter hatten es da natürlich die Männer. Außereheliche Affären waren an der Tagesordnung. Das männliche Wesen an sich – so lesen wir aus Schnitzlers Texten – scheint evolutionsresistent zu sein. Ob Macho oder begehrender Liebhaber, Klaus Haberl liest und spielt diese Texte derart überzeugend, dass es schien, als entstammten sie dem Protokoll einer aktuellen Paarbeziehung. Schade nur, dass gerade an diesem Abend junges Publikum fehlte. Die älteren Damen und Herren lauschten den beiden Schauspielern amüsiert, nickten zustimmend bei der einen oder anderen Szene, und – applaudierten. Skandale blieben aus, auch zur großen Entrüstung reichte es nicht. Als Resümee bleibt nun: Gewandelt hat sich die Gesellschaft und – somit auch das Publikum.

SYLVIA DOTZER

...zum Seitenanfang



Münchner Merkur

Im Karussell der Triebe
Schnitzlers Welt der skeptischen und zynischen Sinnlichkeit im Kubiz

Ein Blick, eine Berührung, eine Umarmung, ein flüchtiger Kuss – die Geschichte vom ledigen Herren und der verheirateten Dame nimmt dort ein Ende, wo andere erst beginnen. Es ist eine Welt skeptischer und zynischer Sinnlichkeit, die der österreichische Dichter Arthur Schnitzler heraufbeschwört; und das Darstellerduo Irene Colin und Klaus Haberl drehen sich am Sonntagabend mit im Karussell der Triebe, im dekadenten Ringelreihen aus Schmäh und Verführung.

"Die Luft ist wie Champagner" monologisiert schwärmerisch die Colin als "Fräulein Else" und weiß noch nicht, dass sie, tödlich gedemütigt, zu einer überdosis Veronal greifen wird. Leiden heißt Niedergang, doch auf die Brüche und Risse, die das Ende des alten Habsburg schließlich herbeiführen, verweisen die meist frühen Schnitzler-Einakter allenfalls mit leiser Diskretion, einem verspielten Kammerton, der verborgene Brutalitäten nicht scheut.

Noch ist die Luft von Champagner durchdrängt, und in der "Sylvesternacht" gleicht der verschneite Garten eines Wiener Palais einer weichen, zarten Schneedecke. Hintergrund für Erinnerungen, Geständnisse und unfreiwillige Entblößungen. Der Sohn des Hauses nähert sich zunächst mit konventioneller Artigkeit der glamourösen Dame, die so abwesend in die Winternacht herausträumt.

Unmerklich über Floskeln, Chiffren, Andeutungen und Erinnerungen hinweg entwickelt sich zwischen dem Paar in Wort und Blick ein Diskurs über die Unbedingtheit wahrer Liebe. Klaus Haberl steigert sich zunächst unterschwellig mit Emphase in eine Romantik hinein, die zu erleben er nie den Mut hätte. Geübt in der illusionslosen Betrachtung der launischen Grausamkeit des Lebens blickt die Umworbene mit sarkastischem Augenaufschlag ins Nichts.

Colin und Haberl scheinen mit minimalen Mitteln zu agieren und horchen ihre Texte und Sprech-Duette auf Modulierungen, Färbungen und verzweigte Bedeutungsspuren ab. Und während das Publikum sich über Fehltritte und Verfehlungen der Figuren zwischen Schlafzimmer und Salon amüsiert, ahnte es zugleich etwas vom zerstörerischen Rhythmus der Triebe. Dann etwa, wenn sich der Charmeur seinem süßen Mädel erklären möchte und das Wort "Liebe" rechtzeitig, fast erschrocken, durch "Begehren" ersetzt. Da wäre er doch fast in eine trügerische Gefühlsfalle geraten. Und doch hat Arthur Schnitzler all diese verlorenen Glückssucher mit tiefer Barmherzigkeit geschildert. Und ein Hauch melancholischen Mitleids liegt auch über diesem kammermusikalischem Theaterabend, dessen Zärtlichkeit von dem Gitarristen Richard Graf eindrucksvoll unterstrichen wird.

MANFRED STANKA

...zum Seitenanfang



Kultur – Splitter

"LEICHTFüSSIGE TIEFE"

Ein schlichtes Ambiente lässt uns am Abend des 20. Oktober gespannt sein auf das Kommende. Sechs kleine Lichtspots, ein karger Tisch mit zwei Wassergläsern, zwei Stühle, ein dritter etwas entfernt; ein reinweißer Hintergrund, von dem sich Wörter, Sätze, Gesprochenes und Gespieltes gut abheben können – vielleicht besser als von allzu bunter Kulisse. Der stimmungsvolle Raum ist schon lange vor Beginn voll von Besuchern, die sich von der Ankündigung " Heiteres und Pikantes von Arthur Schnitzler" gerne verführen ließen. Und der Abend hält mehr als er verspricht.

In den nächsten zwei Stunden erleben wir eine gespielte Lesung, oder auch ein gelesenes Spiel, dargeboten von zwei in elegantes Schwarz gekleideten, grandiosen Schauspielern, begleitet von einem virtuosen Gitarristen. Klaus Haberl und Irene Colin, die an Burgtheater, Volkstheater und an der Josefstadt genauso daheim sind wie in Film und Fernsehen, erwecken Schnitzlers episodenhafte Einakter zu pikant sinnlichem Leben. Köstlich und herzerquickend das Spiel der beiden; ironisch, leichtfüßig und tiefsinnig zugleich die Texte des Fin de siecle-Dichters Arthur Schnitzler. In den Szenen "Der junge Herr und die junge Frau" und "Sylvesternacht" geht es um das ewig aktuelle Thema des Ehebruchs, wobei "Bruch" hier sicher eine zu hartes Wort ist.

Gspusi, Liebschaft, Affäre – das sind liebevollere Bezeichnungen für das, was Frau Colin und Herr Haberl da mit sichtlich eigenem Vergnügen dem schmunzelndem Publikum servieren. In "Halbzwei" wird das Schmunzeln zu hörbarem Lachen, und in "Die überspannte Person" wird selbst bitteres Frauenleid durch Schnitzlers Genie in locker leichtes Spiel verwandelt. Der Arzt Schnitzler, der mit Sigmund Freud befreundet war, verstand es, die psychoanalytischen Methoden dieses Freundes in seine Literatur zu verweben, und das Resultat sind Stücke und Texte, die mit leichter Hand geschrieben scheinen und doch an Tiefe ihresgleichen suchen. Die Doppelmoral der damaligen bürgerlichen Wiener Gesellschaft wurde wohl von niemandem sonst so spielerisch und ironisch thematisiert.

Der international renommierte Gitarrist Richard Graf füllt die Pausen zwischen den Stücken mit Selbstkomponiertem. Sein herrlich dissonanter Dreiertakt erinnert an den bitteren Charme Wiens; er ergänzt und verstärkt die Vorstellung der Schauspieler, die an diesem Abend zeigen, dass sich nur derjenige solch karge Kulisse leisten kann, der sie mit großem Können füllt.
Bravo den Spielern, und Dank dem Veranstalter!

ILSE NEKUT

...zum Seitenanfang



Badener Zeitung

Geheime Leidenschaften und anderer Zeitvertreib
Schnitzler-Lesung im Theater am Steg

Mit zarter Erotik in Modulation und Körpersprache gestalteten Irene Colin und Klaus Haberl am vergangenen Freitag ihre Schnitzler-Lesung im Theater am Steg. Bei Irene Colin genügte oft schon ein leichtes Heben der Braue, ein kurzer Lidschlag, ein leises Lächeln um inneres Geschehen nicht nur hör- sondern auch sichtbar zu machen. Sie war ebenso glaubhaft als verspielte, kokette junge Frau, wie auch als wehmütige, jederzeit die Situation kontrollierende reifere Dame.

Klaus Haberl stand seiner Partnerin um nichts nach. Er war der ungeduldige junge Mann, der selbstherrliche, saturierte und doch gehörnte Ehemann und auch der über beide Ohren Verliebte, der um seine Nachtruhe kämpfen musste. Amüsiert lauschte das zahlreich erschienene Publikum den Erzählungen Arthur Schnitzlers, belustigte sich an den fein gesponnenen Lügen zwischenmenschlicher Beziehungen und an den vielfältigen Möglichkeiten gesellschaftliche Zwänge zu umgehen.
In den Zwischenpausen ließ Richard Graf mit seinem Gitarrespiel Erinnerungen an ferne Sommer aufkommen.

W.M.

...zum Seitenanfang



KURIER

KULTUR

... fast gleichzeitig neben dieser Ausstellung fand im Theater am Steg in der Johannesgasse eine Schnitzler-Lesung unter dem Titel "Die Luft ist wie Champagner" statt. In einer amüsanten szenischen Lesung durch die jungen Wiener Schauspieler Irene Colin und Klaus Haberl genossen die zahlreich gekommenen Arthur Schnitzler-Fans diesen besinnlichen Streifzug durch die Vielfalt der Beziehungen zwischen Mann und Frau.

Die beiden Künstler bewiesen das rechte G•spür für Schnitzlers in Worte gefassten Seelenspiegel, indem sie durch ihre dezent zarte Mimik ein augenzwinkerndes Ja zu den hier zelebrierten "ehelichen Lebenslügen" bewirkten. Der allgemein knisternden Stimmung entsprachen auch die Zwischentöne des Gitarristen Richard Graf.

-sm-

...zum Seitenanfang



Zagreb

Schnitzlerove pikanterije o musko-zenskim odnosima
Glumci Irene Colin i Klaus Haberl nacinili su dobar Izbor •vedrih pikanterija• iz schnitzlerova djela

In den letzten Tagen hat in Zagreb ein Gastspiel aus Wien stattgefunden. Im Theater T&D haben zwei ausgezeichnete, glänzende Schauspieler aus Wien, Irene Colin und Klaus Haberl, "Amüsantes und Pikantes rund um die Liebe" aufgeführt, aus Einaktern von Arthur Schnitzler mit dem Titel "Die Luft ist wie Champagner"; begleitet von der Gitarrenmusik des Komponisten Richard Graf.

Ganz unprätentiös, während sie mit den Texten vor sich an einem Tischchen gesessen sind, haben sie uns gezeigt, wie man mit ganz wenig ganz viel erreichen kann. In ihren Stimmen und in ihrer Mimik gab es mehr von Schnitzlers Theater, als so manches Mal in spektakulären herausfordernden szenischen Tollkühnheiten.

Die geschickte Auswahl der unterhaltsamen und für eine solche szenische Lesung geeigneten Texte des Gesellschaftsanalytikers Schnitzler, sowie das unaufdringliche, leichte Spiel der Schauspieler sind beim Zagreber Publikum auf eine ehrliche Zustimmung gestoßen.

Von: Marija Grgicevic
übersetzung: Tanja Kosanovic

...zum Seitenanfang